
Gemeinsam die Energiewende mitgestalten!
Eine Fachveranstaltung im Rahmen des „WKS-Forums für Erneuerbare Energie“ hat am Mittwoch, 5. 10. 2022, das Thema „Energiegemeinschaften“ ausführlich beleuchtet. Die Energiegemeinschaften werden eine wichtige Säule der Energiewende bilden.
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Die Veranstaltung, die von der WKS in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Salzburg ausgerichtet wurde, fand vor dem Hintergrund einer zunehmend schwieriger werdenden Preissituation bei Energie statt. Bereits 82% der heimischen Unternehmen sind von horrenden Strom- und Energiepreisen betroffen und oft auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet.
„Die von der Bundesregierung beschlossenen Gegenmaßnahmen wie Energiekostenzuschuss, Strompreiskostenausgleich, Reduzierung der Elektrizitäts- und Erdgasabgabe und Entfall von Ökostrom-Pauschale bzw. Ökostrom-Förderbeitrag sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Um die Energiekrise zu lösen, wird die EU sich vom Merit-Order-System, nach dem der teuerste eingesetzte Anbieter den Marktpreis bestimmt, verabschieden müssen“, stellte WKS-Vizepräsident Peter Genser in seinen Eröffnungsworten fest. Als allerwichtigste Maßnahme zur Bewältigung der Energiekrise und für eine unabhängige klimafreundliche Energieversorgung bezeichnete Genser jedoch den österreichweiten Ausbau aller erneuerbaren Energieträger.
Neue Möglichkeiten durch Energiegemeinschaften
Dabei werden die Energiegemeinschaften für erneuerbare Energien (EEG) , die mit dem neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) rechtlich möglich wurden, eine wichtige Rolle spielen, stellte WKS-Bereichsleiter Christian Wagner, der durch die Veranstaltung führte, fest.
Er unterstrich die Bedeutung des „Forums für Erneuerbare Energie“, das 2017 gestartet wurde und heuer zum vierten Mal stattfindet: „Die WKS will mit dem Forum eine branchenübergreifende Informationsplattform bieten und den Ausbau der erneuerbaren Energie fördern. Die Gründung von Energiegemeinschaften eröffnet dabei viele neue Möglichkeiten in diesem Sektor. Auch ein Antrag der Grünen Wirtschaft im Wirtschaftsparlament zielt darauf ab, dass die WKS die Unternehmen über Energiegemeinschaften informieren soll“, erklärte Wagner. Das WKS-Forum für Erneuerbare Energie ist Bestandteil des WKS-Schwerpunkts Act for Climate.
Land baut auf Energiegemeinschaften
Das Land Salzburg hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 100 % des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Dazu muss bis 2030 die Erzeugung von erneuerbarem Strom um rund 1.000 GWh/a gesteigert werden.

Für die Photovoltaik, welche den größten Teil dazu beitragen soll, bedeutet das, dass die installierte PV-Leistung im Bundesland Salzburg auf durchschnittlich 1 kW pro Person erhöht werden muss.
Martin Weber vom Referat Energiewirtschaft
beim Land Salzburg erklärte: „Insbesondere hier setzt das Land Salzburg große Hoffnung in die Energiegemeinschaften. Diese ermöglichen, große Dachflächen sinnvoll für Photovoltaik zu nutzen und den erzeugten Strom regional zu verwenden. Die Energiewende im Strombereich wird so zu einer gemeinsamen Aufgabe in der Gemeinde, wie dies in den vergangenen Jahrzehnten im Wärmebereich bereits vielfach erfolgreich vorgezeigt wurde. Energiegemeinschaften bieten die Chance, in der Region gemeinsam unabhängiger von Energieimporten und den internationalen Energiemärkten zu werden.“
SIR als Anlaufstelle für Energiegemeinschaften
Energiegemeinschaften stellen einen Meilenstein für die österreichische Energiewirtschaft dar. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz wurde 2021 die rechtliche Grundlage für Energiegemeinschaften geschaffen.
Dadurch ist es nun möglich, dass sich mehrere Akteure zusammenschließen und über Grundstücksgrenzen hinweg erneuerbare Energie produzieren, verbrauchen, speichern und verkaufen.
„Gerade für Unternehmen bieten sich dadurch neue Handlungsspielräume, da sie sich lokal und regional mit Bürger:innen, Gemeinden und anderen Unternehmen zusammenschließen und mit dieser neuen Form der ‚Sharing Economy‘ die Energiewende gemeinsam vorantreiben können“, informierte Markus Schwarz vom SIR (Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen), das als Anlaufstelle für Energiegemeinschaften in Salzburg mit Rat und Tat zur Seite steht. Erste Beispiele von Energiegemeinschaften mit beteiligten Unternehmen gebe es bereits, nun gilt es weitere Unternehmen davon zu überzeugen.


Wahl der Rechtsform
Das EAG sieht zur Gründung von Energiegenossenschaften mehrere Rechtsformen vor. Eine davon ist die Genossenschaft. Als Gesellschaftsform ist die Genossenschaft, vereinfacht gesagt, zwischen dem Verein und der GmbH angesiedelt, indem sie die offene Mitgliedschaft des Vereins mit der auf wirtschaftliches Arbeiten ausgelegten Organisationsstruktur der GmbH vereint.
„Genossenschaften bieten sich für regionale Projekte an, vor allem bei Beteiligung von öffentlichen Institutionen. Vereine hingegen sind für kleinere, lokale Energiegemeinschaften mit wenigen Mitgliedern geeignet“, betonte Hannes Hettegger vom Raiffeisenverband Salzburg.
Sonnenstrom gemeinschaftlich teilen
Photovoltaikanlagen rechnen sich bei den derzeit explodierenden Strompreisen schon nach wenigen Jahren. Energiegemeinschaften bieten die Möglichkeit, lokal produzierten Sonnenstrom gemeinschaftlich zu teilen und tragen somit zu mehr Unabhängigkeit von bisher importierten Energieträgern bei. Davon profitieren sowohl Unternehmen, welche einen hohen Strombedarf haben, als auch Private, welche den überschüssigen Strom am Wochenende nutzen können. Eine Win-Win-Situation für Produzent und Konsument und die Wertschöpfung bleibt dort, wo die Energie produziert wird.

„Die Agentur für Erneuerbare Energie AEE eGen übernimmt hier sowohl eine beratende als auch realisierende Funktion und baut PV-Anlagen, die mit Bürgerbeteiligung finanziert werden. Dadurch können auch Unternehmen ohne eigene Dachfläche die Energiewende mitgestalten und einen großen Teil ihres Strombedarfs selbst decken“, informierte Harald Kienzl.
Anfang August wurde eine 38 KWp PV-Ablage am Dach der St. Elisabeth Kirche in Salzburg installiert. Es handelt sich dabei um eine sogenannte GEA (Gemeinschaftliche Erzeugungsanlage), aus der die Eigentümer (Pfarre St. Elisabeth, Bibelwelt, Haus Elisabeth der Caritas und mehr als 10 Wohnungen im Pfarrhaus) Strom zu einem vorab festgelegten Preis beziehen können.
Wertvolle Flächen nicht verlieren
Die Land- und Forstwirtschaft ist eine wichtige Säule bei der Transformation des österreichischen Energiesystems hin zu den erneuerbaren Energien. Schnittstellen sind der Leitungsbau für die Verstärkung der Stromnetze, Biomasse als Energieträger oder die Flächen für Photovoltaik und Windgeneratoren. Matthias Kittl von der Landwirtschaftskammer Salzburg :„Gleichzeitig muss es gelingen, nachhaltig mit den begrenzten heimischen Ressourcen umzugehen und Flächen, die für die Nahrungsmittelproduktion geeignet sind, nicht für immer zu verlieren.“

Energieoptimierung für die Kunden
Die Salzburg AG hat sich zum Ziel gesetzt einen aktiven Beitrag zur Klimawende zu leisten. Das umfasst nicht nur die Erzeugung von grünem Strom und das Ermöglichen von EEGs, sondern bedeutet ein allumfassendes Bekenntnis für eine grüne Zukunft. Durch Technologie, Innovation und der engen Zusammenarbeit mit Kund:innen, will man dieser Zukunft näherkommen. Das Team rund um Kristijan Jarc und Nina Strempfl arbeitet an einer Lösung, die Kunden zahlreiche Services für die Energie-Optimierung aus einer Hand bietet. Aktuell wird auch eine neue digitale Kundenplattform für alle Produkte der Salzburg AG in diesem Sektor entwickelt.


In den Energiemarkt einsteigen
Zum Abschluss des Forums befasste sich Jürgen Sonnleitner von der Pongauer Energie Center GmbH mit der Frage, ob erneuerbare Energien mittlerweile wirklich wirtschaftlich und technisch gut speicherbar sind und präsentierte verschiedene Projekte für Erzeugungsanlagen mit Speicher, Energiegemeinschaften, Wasserstoffsonderfahrzeuge im alpinen Bereich, Energiesysteme bei Kläranlagen und modernste Berechnungs- und Simulationswerkzeuge. Sein Appell: „Jedes Unternehmen sollte jetzt rasch auf individuell geplanter Grundlage in den Energiemarkt einsteigen.“
