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Steirische Lösung gegen Entwaldungsbürokratie
Mithilfe von Satellitenbildern, Geodaten und KI unterstützt WEME Earth Kleinbauern und Betriebe bei der Umsetzung der EU-Entwaltungsverordnung. In Südostasien und auch in Österreich.
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Sie wurde so heiß diskutiert, dass sie sogar aufgeschoben wurde – dürfte aber heuer in Kraft treten: Die EU-Entwaldungsverordnung, die dafür sorgen soll, dass in der Union verkaufte Rohstoffe und Produkte nicht von Flächen stammen, auf denen Wälder gerodet wurden. Entwaldungsfreie Lieferketten also – die für Unternehmen und Landwirte, auch in Österreich, aber einen massiven bürokratischen Mehraufwand bedeuten. Eine innovative Lösung kommt jetzt aus der Steiermark, wo „WEME Earth“ den Prozess weltweit erleichtern und so wichtige Klimamaßnahmen mit unternehmerischer Realität vereinen will.
Beheimatet im Grazer Inkubationszentrum der Weltraumagentur ESA, beliefert WEME Earth bisher vor allem Kleinbauern und Händler in Südostasien mit der neuen Softwarelösung. Diese kombiniert geografische Informationen, historische Daten und Satellitenbilder, um einen umfassenden Überblick über die Nutzung, Entwicklung und Zustand dortiger Plantagen zu erstellen. Die von der EU geforderten „Due-Diligence“-Berichte – also der Nachweis der Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette – entstehen automatisiert. „Wir liefern prüfungsfertige Berichte. Diese können direkt in das EU-Informationssystem hochgeladen und an die zuständigen Regulierungsbehörden weitergeleitet werden. So wird die Einhaltung der EU-Vorschriften einfach und effizient möglich“, erklärt Geschäftsführerin Sabine Pongruber.
Wir sehen unsere Technologie nicht nur als Werkzeug zur Einhaltung der EU-Verordnung, sondern auch als Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit.
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Sabine Pongruber
WEME Earth
Gerade in Südostasien brauche es eine Lösung. Immerhin stammen rund 85 Prozent des globalen Naturkautschuks, der für die Herstellung von Gummi – also für Autoreifen, Schuhsohlen und Co. – nötig ist, aus Thailand, Indonesien, Vietnam und Indien. Vielfach werden dafür allerdings Regenwälder gerodet – was mit der neuen EU-Verordnung der Vergangenheit angehören soll. Betroffen sind auch andere beliebte Produkte, wie Kakao, Palmöl, Soja oder Kaffee.
Genutzt werden kann die Lösung der Steirer aber auch direkt in Österreich. Pongruber: „Wir bieten eine transparente Dokumentation der Landnutzung und helfen so, den Bürokratieaufwand zu minimieren.“ Grundsätzlich sei es dabei ganz egal, ob es sich um Kleinbauern oder internationale Unternehmen handelt, jeder könne von dem System profitieren. „Unsere Lösung ist ein Bindeglied zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg. Die Technologie nimmt Exporteuren, Importeuren und Behörden gleichermaßen den größten Teil der administrativen Last ab“, so die WEME-Earth-Geschäftsführerin.

Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen an weiteren Innovation – beispielsweise analysiert man auf Basis von Satellitentechnologie auch die Gesundheit von Pflanzen und erstellt Bodenanalysen. „Das hilft Landwirten, Kosten zu senken, den Einsatz von Chemikalien zu minimieren und die Ernteerträge zu steigern“, erklärt Pongruber. In der Kombination von hochauflösenden Satellitenbildern mit KI und Geodaten sieht sie weiteres Potential – etwa um in der Forstwirtschaft Schädlingsausbreitung zu überwachen oder die Effizienz in der Bewässerung zu steigern. „Auch die Überwachung von Infrastruktur wie Straßen oder Pipelines könnte durch unsere Technologien revolutioniert werden, indem wir Veränderungen frühzeitig erkennen und Wartungskosten senken“, so Pongruber. Die EU-Entwaldungsverordnung sei insofern nur ein erster Wachstumsimpuls: „Wir stehen erst am Anfang. Die Nachfrage nach unseren Lösungen wächst kontinuierlich!“
Quergefragt
Was ist Ihre Vision?
Mit Satellitentechnologie weltweit nachhaltige Entscheidungen für eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
Und was sind die größten Herausforderungen?
Die internationale Expansion – denn jede Region hat ihre eigenen Herausforderungen, etwa in der Landwirtschaft.
Was bietet Ihnen der Standort Steiermark?
Eine ideale Kombination aus innovativem Umfeld, Fachkräften und einer lebendigen Forschungslandschaft.