
Frau in der Wirtschaft: Margit Angerlehner gibt Landesvorsitz ab
Nach neun Jahren an der Spitze von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich übergibt Margit Angerlehner im April den Landesvorsitz von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich. Sie kann auf eine erfolgreiche Bilanz verweisen.
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„Frau in der Wirtschaft war für mich immer eine echte Herzensangelegenheit. Die Arbeit mit so vielen engagierten Unternehmerinnen war nicht nur eine Aufgabe, sondern eine persönliche Freude und Bereicherung. Besonders die Zusammenarbeit mit unseren Funktionärinnen und die starke Gemeinschaft, die wir über die Jahre aufgebaut haben, bedeuten mir viel. Ich durfte unzählige inspirierende Begegnungen erleben, neue Menschen kennenlernen und miterleben, wie wir gemeinsam gewachsen sind – als Team, als Netzwerk und als starke Stimme für Unternehmerinnen. Dafür bin ich von Herzen dankbar“, blickt Margit Angerlehner auf ihre Zeit als Landesvorsitzende bei Frau in der Wirtschaft zurück.
Die Wirtschaft wird immer weiblicher
Bereits seit 2009 engagierte sie sich für Frau in der Wirtschaft (kurz: FidW). Zunächst als stellvertretende Bezirksvorsitzende und ab 2014 als Bezirksvorsitzende Linz-Land. Als überaus erfolgreiche Unternehmerin wurde sie 2016 zur Landesvorsitzenden von „Frau in der Wirtschaft OÖ“ gewählt. Seit ihrer Funktionsübernahme wurde das Netzwerk von 33.096 auf 38.979 Unternehmerinnen erweitert. Aktuell führen Frauen rund die Hälfte der OÖ Betriebe (48 Prozent) und auch Unternehmensneugründungen werden zunehmend weiblicher. „Fast jede zweite Unternehmensgründung geht 2024 in Oberösterreich auf eine Frau zurück - ein deutliches Zeichen dafür, dass Unternehmerinnen die Zukunft gestalten“, betont Margit Angerlehner.
Erfolgsprojekte, die den Unterschied machen
„In den vergangenen neun Jahren haben wir uns bei Frau in der Wirtschaft bewusst auf die drei zentralen Säulen konzentriert: Frauen sichtbarer zu machen, Rahmenbedingungen zu verbessern und ein starkes Netzwerk zu leben. Wir haben viel erreicht und ich blicke stolz auf unsere Meilensteine und Projekte zurück“, so Angerlehner. Jede vierte Unternehmerin kommt - genau wie Margit Angerlehner selbst - aus der Lehre. Ihr war und ist es daher besonders wichtig aufzuzeigen, dass einem mit einer dualen Ausbildung alle Wege offenstehen. Mit dem von ihr entwickelten Vorzeigeprojekt „g’lernt is g’lernt. Von der Lehre zur Unternehmerin“ trug sie viele Jahre dazu bei, dass Klischees in der breiten Öffentlichkeit in Frage gestellt und Jugendlichen ohne Einschränkung der Weg in sämtliche Berufsfelder geebnet wird. Insgesamt wurden mit der Kampagne bislang rund 2.000 Schülerinnen und Schüler erreicht und 22 Betriebe quer durch OÖ ausgezeichnet.
Kampagnen wie „Die Unternehmerin des Monats“, „Die Wirtschaft ist weiblich“ oder „Ich bin Unternehmerin PUNKT“ unterstrichen fortlaufend den wesentlichen Beitrag von Unternehmerinnen zur regionalen Wertschöpfung in Oberösterreich. Mit der Auszeichnungsreihe „Unternehmerin für mehr Nachhaltigkeit“, widmete sie sich einem der zentralsten Zukunftsthemen unserer Zeit. Die aktuelle Vorbild-Kampagne „Die Übernehmerin“ rückt erfolgreiche Unternehmensübernahmen durch Frauenhand in den Fokus der Öffentlichkeit.
Als Landesvorsitzende setzte sich Margit Angerlehner über die Jahre unermüdlich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, die es Frauen ermöglichen sollen, ihre individuellen beruflichen Ambitionen zu verwirklichen. Wichtige Schwerpunkte dabei waren etwa die Forcierung von Bildung als Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg von Frauen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beispielsweise durch eine flexible Weiterentwicklung des Betreuungsangebots, vor allem hinsichtlich Öffnungs- und Schließzeiten. Die Vereinheitlichung der schulautonomen Tage, die zu einheitlichen Herbstferien führten, war in diesem Zusammenhang bspw. ein wichtiger interessenspolitischer Erfolg in ihrer Zeit bei Frau in der Wirtschaft. Ihr größtes Anliegen war stets die gegenseitige Bestärkung und Inspiration von Unternehmerinnen durch ein lebendiges Netzwerk. Mit Impuls- und Netzwerk-Veranstaltungen in ganz Oberösterreich sorgte Margit Angerlehner mit ihrem Team von Frau in der Wirtschaft für Informationsvorsprung und neue Business-Perspektiven. Seit 2016 gab es ca. 450 Bezirksveranstaltungen mit über 22.000 Teilnehmer:innen bzw. 33 Landesveranstaltungen mit knapp 5.000 Besucher:innen. In der neuartig konzipierten Weiterbildungsreihe „Ideenwerkstatt“ lernen Unternehmerinnen seit mittlerweile fünf Jahren, wie sie durch Innovation, Digitalisierung und andere wichtige Themen noch erfolgreicher werden. Im Projekt „KOMPASS –Kompetenzzentrum für Karenz-, Karriere- und Auszeitenmanagement“ galt sie an der Seite des Landes OÖ als Ideengeberin und Vorantreiberin vor allem im Bereich der betrieblichen Kinderbetreuung. Mit dem Verein „Betriebshilfe für die Wirtschaft OÖ“, dem Margit Angerlehner seit 2016 vorsteht, konnte in der bisherigen Laufbahn des Projekts 1.399 oberösterreichischen Unternehmen vielfach in ausweglosen Situationen durch die Überlassung von flexiblen und gut ausgebildeten Fachkräften geholfen werden.
Einsatz für Ein-Personen-Unternehmen
Von 2018 bis 2022 war Margit Angerlehner Vizepräsidentin der WKO Oberösterreich und da insbesondere für „Ein-Personen-Unternehmen“ (kurz: EPU) und „Schule und Wirtschaft“ zuständig. Bei Schule und Wirtschaft war es ihr immer ein zentrales Anliegen, bereits bei den Kleinsten anzusetzen und Karriereperspektiven von Mädchen in allen – insbesondere technischen und naturwissenschaftlichen – Berufen zu fördern. Erfreulich ist, dass der Frauenanteil in technischen Berufen in OÖ in den letzten Jahren zunehmend gestiegen ist. Bemerkenswert ist vor allem, dass der Modullehrberuf Metalltechnik in OÖ bereits auf dem 4. Platz bei den weiblichen Lehrlingen liegt. Gänzlich neuartig war auch 2019 ihre Idee des Zukunftsplaners „Ich werde...“ für den Berufsorientierungsunterricht, mit dem ein einzigartiger Schritt gesetzt wurde, um Stärken und Talente von Kindern zu erkennen und Entscheidungen Richtung Berufswahl besser treffen zu können. Mit dem „Festival der Talente“ schuf sie 2019 ein Erstlingsprojekt der Wirtschaftskammer, das hunderten Schülerinnen und Schülern spielerisch den Zugang zur Berufswelt ebnete.
2020 erweiterte die WKOÖ ihr Leistungs- und Unterstützungsangebot für weibliche Ein-Personen-Unternehmen um eine wichtige Facette: Allen oö. Einzelunternehmerinnen, die ihre Geschäfte wegen Mutterschaft ruhen lassen müssen, werden seither bis zu zwei Jahre lang die Grundumlagen ersetzt. Diese einzigartige Grundumlagen-Freistellung ist der Verdienst von Margit Angerlehner als Signalgeberin. In der Interessenvertretung konnte aber bspw. auch die leichtere Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes oder die Verlängerung der Unterstützung bei langandauernder Krankheit erreicht werden.
Doris Hummer: „Vorbild für junge Kolleginnen und Einsteigerinnen“
„Durch ihren Werdegang und ihre Spitzenfunktionen in der oö. Interessenvertretung ist Margit Angerlehner gerade für junge Kolleginnen und Einsteigerinnen ein Role Model, das die Chancen und Stärken von Frauen in der Wirtschaft positiv aufzeigt“, bedankt sich WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer bei Margit Angerlehner für den jahrelangen Einsatz. „Mit Hingabe, Leidenschaft und stetigem Engagement hat sie in den letzten Jahren nicht nur ein Netzwerk geformt, sondern auch vielen Frauen den Mut gegeben, ihre eigenen Potenziale zu entfalten. Ihr Einfluss wird noch lange spürbar sein.“
„Ich freue mich, ein starkes Netzwerk übergeben zu können und bedanke mich bei meinen Stellvertreterinnen, allen Funktionärinnen, Mitarbeiterinnen und allen Partnerinnen und Partner, die zu unseren Erfolgen beigetragen haben“, so Angerlehner. „Ich bin überzeugt, dass meine Nachfolgerin wichtige interessenspolitische Themen weiter vorantreiben und die Unternehmerinnen in Oberösterreich mit einem aktiven Netzwerk, Wissenserwerb, Vorbildern und Erfolgsgeschichten begleiten wird.“ Eine neue Landesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft OÖ wird von den oberösterreichischen FidW-Bezirksvorsitzenden Anfang April gewählt.
Auch Bettina Stelzer-Wögerer scheidet aus
Gleichzeitig mit Margit Angerlehner scheidet auch ihre bisherige Stellvertreterin, Bettina Stelzer-Wögerer, aus ihrer Funktion aus. Seit 2021 setzte sie sich an der Seite von Margit Angerlehner im Landesvorstand für die Interessen und Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in OÖ ein. „Ich war besonders gerne in dieser Funktion tätig, weil mein Herz für Frau in der Wirtschaft und ihre Inhalte schlägt und die Gemeinschaft dort eine ganz besondere ist. Die Arbeit im sehr kollegialen Landesvorstand unter der Leitung von Margit Angerlehner sowie den Bezirksteams war stets sehr effizient und herzlich mit dem Fokus, Frauen und ihre Leistungen sichtbar zu machen und als Vorbilder zu positionieren. Ich wünsche dem neuen Vorstand genauso viel Spaß bei der Arbeit und viele tolle Ideen, um FidW mit seiner ganz persönlichen Handschrift erfolgreich weiter zu gestalten“, blickt Bettina Stelzer-Wögerer mit Stolz auf viele tolle Projekte und Erfolge zurück. Seit 2024 engagiert sie sich als Bezirksstellenobfrau der WKO Steyr-Stadt.