NÖ Wirtschaft vom 09. Oktober 2015 / Folge 41 - page 10

10 ·
Nr. 41 · 9.10.2015
Niederösterreichische Wirtscha
Österreich
Gewerbestimmung
bleibt getrübt
Die Stimmung in Gewerbe und Handwerk bleibt ge-
trübt. Nachfragestützen wie der Handwerkerbonus
sind dringend notwendig. Dass dieser positiv auf die
Beschä igung und bei der Eindämmung von Schwarz-
arbeit wirkt, belegt jetzt eine neue Erhebung.
Der konjunkturelle Druck auf
Gewerbe und Handwerk nimmt
zu: Im ersten Halbjahr sind die
Umsätze bzw. Au ragseingänge
in der Branche um 2,9 Prozent
gesunken, hat die KMUForschung
Austria erhoben.
Fortsetzung des Hand-
werkerbonus gefordert
Vor demHintergrund des unter-
durchschnittlichen Wirtscha s-
wachstums in Gewerbe und Hand-
werk sind Konjunkturimpulse
dringend notwendig. Deshalb
fordert Renate Scheichelbauer-
Schuster, Obfrau der Bundes-
sparte Gewerbe und Handwerk,
eine Verlängerung des heuer
bereits ausgeschöp en Handwer-
kerbonus: „Besonders für klei-
nere Au räge, also jene, die im
Schwarzarbeitsbereich versickern
könnten, wurde der Handwerker-
bonus o und gerne in Anspruch
genommen. Wir sehen: Er hat sich
als wichtige Nachfragestütze er-
wiesenund sollte daher unbedingt
beibehalten werden.“
Eine neue Erhebung belegt die
Wirksamkeit des Handwerkerbo-
nus: Demnach kam es zu einer
Reduktion der Schwarzarbeit und
positiven Beschä igungseffekten.
Auch eine Verbesserung der Ge-
schä slage und des Umsatz der
betroffenen Unternehmen wird
belegt: Etwa ein Fün el der
Betriebe spürte hohe oder eher
hohe Auswirkungen, weitere 55
Prozent sehen zumindest geringe
Auswirkungen auf den Umsatz.
Gewerbe bietet 50 Lehr-
plätze für jugendliche
Flüchtlinge
Als größter heimischer Lehr-
lingsausbilder demonstriert die
Bundessparte aus aktuellem An-
lass Verantwortung und Solidari-
tät: „Wir haben uns entschlossen,
in den kommenden Wochen und
Monaten 50 Lehrplätze für unbe-
gleitete minderjährige Flüchtlin-
ge zur Verfügung zu stellen. Diese
wollen wir nun so rasch wie mög-
lich und in Zusammenarbeit mit
lobby.16, einem gemeinnützigen
Verein in der Bildungsbetreuung,
anbieten“, kündigt Scheichelbau-
er-Schuster an.
Gerade in einem Gewerbe- und
Handwerksbetrieb sei die Bereit-
scha hoch, aktiv zu werden, denn
KMU und Familienbetriebe leben
besondere Verantwortung gegen-
über den Mitarbeitern, meint
Michael Stuller von der k.u.k. Hof-
zuckerbäckerei Heiner, die selbst
einen Lehrling aufnimmt.
„Entlastung ist das Gebot der Stunde“
WKÖ-Generalsekretärin
Anna Maria Hochhauser
spricht sich gegen immer
neue Belastungsideen aus
und fordert einen wirt-
scha lichen Turnaround.
„Die Konjunkturaussichten sind
trotz kleiner Verbesserungen alles
andere als berauschend, der Nega-
tiv-Trend bei der Arbeitslosigkeit
hält mit nunmehr über 391.000
Arbeitslosen unverändert an, die
globalen Unsicherheiten werden
mehr, nicht weniger. Zudem stellt
der Zustrom an Flüchtlingen
Österreich vor große Aufgaben.
Die Antwort darauf können jeden-
falls nicht nochmehr Belastungen
für die heimischen Betriebe sein.
Das Gegenteil ist notwendig: Eine
umfassende Entlastungsoffensive
für Österreichs Unternehmen ist
das Gebot der Stunde“, betont An-
na Maria Hochhauser, Generalse-
kretärin der Wirtscha skammer
Österreich.
„Wer Ja zur Sicherung und Stär-
kung des Wirtscha sstandorts
Österreich sagt, muss ein ebenso
dezidiertes Nein zu den immer
neuen Belastungsideen sagen,
ob sie nun 6. Urlaubswoche hei-
ßen, Arbeitszeitverkürzung, Wert-
schöpfungsabgabe oder Strafeuro
für Überstunden. Solche Maßnah-
men führen ganz sicher nicht zu
mehr, sondern weniger Wachs-
tum, zu einer höheren, nicht ei-
ner niedrigeren Arbeitslosigkeit“,
warnt Hochhauser.
Wirtscha lichen
Turnaround einleiten
Die
WKÖ-Generalsekretärin
fordert eine breite Entlastungs-
offensive für die heimische Wirt-
scha : „Allen voran brauchen wir
eine rasche und deutliche Lohn-
nebenkostensenkung. Notwendig
sind zudem gezielte Investiti-
ons-impulse wie beispielswei-
se ein Investitionsfreibetrag für
Investitionen in Maschinen und
Gebäude, die Umsetzung des
lange versprochenen Wohnbau-
paketes und der Abbau bürokrati-
scher Belastungen.“
„Der steigenden Arbeits-
losigkeit und Konjunktur-
schwäche muss mit einer
breiten Entlastungs-
offensive begegnet
werden, nicht mit neuen
Prügeln für die Betriebe.“
WKÖ-Generalsekretärin
Anna Maria Hochhauser
Foto: J. Haslinger
Gewerbe- und
Handwerks-
betriebe leben
besondere
Verantwortung
gegenüber den
Mitarbeitern
vor.
Foto: WKÖ
1,2,3,4,5,6,7,8,9 11,12,13,14,15,16,17,18,19,20,...58
Powered by FlippingBook