NÖ Wirtschaft vom 28. Februar 2014 / Folge 9 - page 5

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Nr.
9 · 28.2. 2014
Niederösterreichische Wirtscha
„Digitale Kompetenzen sind für das Unternehmens-Wachstum ent-
scheidend. Mit dem E-Day bietet die WKO eine Plattform, wo sowohl
E-Business-Einsteiger als auch bereits online-versierte Unternehmer
Anregungen und Visionen für den weiteren Ausbau aller Geschä sbe-
reiche erhalten.“
WKÖ-Präsident Christoph Leitl
NÖWI: Herr Gruber, ist das
Internet Fluch oder Segen?
Gruber:
Das Internet ist eine
Erfindung der Wissenscha
und eine gute Sache. Wir haben
etwas, können damit aber nur
noch nicht richtig umgehen. Es
müssen auf alle Fälle Regeln
aufgestellt werden. Man darf
sich auch nicht von E-Mails ter-
rorisieren lassen. Wenn ich pro
Mail zwei Minuten Bearbeitung
annehme, dann würde ich acht
Stunden am Tag nur E-Mails
beantworten bzw. wandern
diese in den „Lokus digitalis“.
Ich nutze Mails nur beruflich,
privat telefoniere ich oder schik-
ke SMS. Da verfasse ich lieber
einen handgeschriebenen Brief,
als ein E-Mail zu schicken.
Was halten Sie von Dien-
sten wie Facebook und
Google?
Facebook ist eine einfache
Möglichkeit für Menschen sich
im Internet zu präsentieren, die
selbst keine Webseite program-
mieren können oder wollen.
Google ist sehr hilfreich, man
muss aber auch lernen, damit
umzugehen. Man muss sich
klar sein: Wenn man ins Inter-
net geht, zahlt man mit seiner
Identität. Diese Daten bekommt
dann irgendwer.
Wie sieht es mit
Wikipedia aus?
Keine Frage, Wikipedia ist nicht
schlecht, hier gilt aber auch: Es
dominiert das Diktat der Mehr-
heit und nicht das Diktat des
Wissens. Bei gewissen Themen,
wie Esoterik oder Homöopathie,
werden Tendenzen vorgegeben.
Die optimale Lösung wäre ein
eigenes Wikipedia von Universi-
täten, das zu 100 Prozent richtig
wäre.
Wir leben in einer digitali-
sierten Welt. Wohin führt
dieser Weg?
Wir stecken mitten in einer „di-
gitalen Revolution“, die ca. 1970
begann und noch mindestens
40 Jahre dauern wird. Und wir
leben in einer Zeit, in der sich
immer etwas ändert, was aber
nicht nur Vorteile hat. Derzeit
sind wir noch schwach im Be-
reich Robotik, doch ich halte es
da mit dem Schri steller Jules
Verne und Hollywood, dass es
in absehbarer Zeit einen Kampf
zwischen Silicium-Intelligenz
und menschlicher Intelligenz
geben wird. Es gibt dann drei
Möglichkeiten: 1. Co-Existenz
Menschen und Roboter, 2. Wir
gewinnen oder 3. Die Roboter
gewinnen. Man kann diese Ent-
wicklung auch nicht steuern.
Mehr Infos:
Werner Gruber
ist Biophysiker mit dem
Fachgebiet der Neurophysik am Institut für
Experimentalphysik der Universität Wien und
Leiter des Planetariums Wien. Er hat sich als
Lehrender und Vortragender einen Namen ge-
macht und versteht es wie kaum ein Anderer,
wissenscha liche Zusammenhänge zugleich
allgemein verständlich und unterhaltsam zu
erklären. Gemeinsam mit dem Physiker Heinz
Oberhummer und dem Kabarettisten
Martin Puntigam gründete er 2007
die „Science Busters“.
„Lernen, damit
umzugehen”
…Werner Gruber, Neurophysiker, Autor und Teil des Kabaretttrios „Science Busters“
Werner Gru-
ber ist ein
Spezialist für
die Naturwis-
senscha im
Alltag und gibt
dieses Wissen
weiter.
Foto: zVg
Interview mit …
„Man muss sich klar sein:
Man zahlt im Internet mit
seiner Identität.“
Werner Gruber, Physiker und „Science Buster“
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