NÖ Wirtschaft vom 09. Mai 2014 / Folge_19 - page 5

· Thema · 5
Nr.
19 · 9.5. 2014
Niederösterreichische Wirtscha
politik in der Krise?
den Fugen geraten zu sein.
Der Preisverfall ist für die
Photovoltaikbranche ein
Erfolg?
So ist das nun mal bei einer
Technologieentwicklung. Ich set-
ze darauf, dass jetzt auch im
Speicherbereich die Geschichte
so richtig zu laufen beginnt, wenn
wirklich alle – auch die Großen –
darauf setzen. Denn solange die
großen Milliardenbeträge in die
Subventionierung der fossilen
Energieproduktion fließen und
in die Atomenergie, habe ich
überhaupt keinen Stress, mich
als Vertreter der Erneuerbaren
selbstbewusst zu verteidigen. 9,45
Cent Förderung für eine kWh
Windenergie auf 13 Jahre ohne
Index werden bei uns als Drama
angesehen. Gleichzeitig liegt ein
Förderantrag in Großbritannien
für ein neues Atomkra werk mit
11,2 Cent pro kWh, indexiert auf
35 Jahre, vor, weil es sonst nicht
gebaut werden kann.
Was sagen Sie zur gegen-
wärtigen Standortdiskussion
in Europa, die eng im Zu-
sammenhang mit den Ener-
giepreisen geführt wird?
Es muss uns klar sein, dass wir in
Europa in umwelt- und sozialpo-
litischen Belangen nicht die Bil-
ligstenwerden können. Allerdings
halte ich es für fatal, dass Unter-
nehmen, die bei uns schon extrem
umweltfreundlich produzieren,
unter dem Dachmantel einer
geänderten Steuerung jetzt rück-
blickend die „Gschnapsten“ sind.
Jene, die da nachhinken, gehören
motiviert. Denn wir können uns
für zukün ige Herausforderun-
gen nur mit effizienten umwelt-
freundlichen Technologien einen
Wettbewerbsvorteil verschaffen.
Wasserkra
7.025
Biogene Brenn-
und Treibstoffe
9.491
Brennholz
4.244
Wind und PV
1.201
Umgebungs-
wärme
654
NÖ Erneuerbare
Energieträger im Detail
Quelle: NÖ Energiebericht
„Energieträgermix macht viel Sinn“
NÖWI: Wie steht es um
Energieversorgung in
Niederösterreich?
Aigner:
Als Energiehandel
decken wir eine breite Palette
ab – vom Öl über die Biomasse
bis hin zum Gas- und Strom-
handel. Ganz wichtig für Öster-
reich und Niederösterreich ist
ein vernün iger Energieträ-
germix. Dieser gibt die entspre-
chende Sicherheit, dass es nicht
zu Versorgungslücken kommt,
denn die können wir uns einfach
nicht leisten. Manche Energien,
wie etwa aus Wind, sind nun
einmal witterungsabhängig. Da
macht es absolut Sinn, dass 50
Prozent aus fossilen Energien
stammen. Einseitigkeit ist im-
mer problematisch, in jedem
Fall macht der Energieträger-
mix sehr viel Sinn.
Wenn es heißt, Öl als
Brennstoff sei ein
Auslaufmodell?
Das höre ich seit 30 Jahren.
Natürlich muss man mit den
Ressourcen ordentlich umge-
hen. Tatsache ist aber, dass das
weltweit konventionell geför-
derte Erdöl – d.h. nicht Schweröl,
Ölsand oder Ölschiefer – von
2005 bis 2011 um 32 Mrd. t
angestiegen ist, der Durch-
schnittsverbrauch
hingegen
nur um 4 Mrd. t. Außerdem ist
das auch eine sozialpolitische
Frage, denn jeder Umstieg
auf neue Energieformen bringt
zusätzliche
Investitionsko-
sten für den Letztverbraucher
mit sich. Immerhin heizen in
Österreich noch immer über
740.000 Haushalte mit Öl. Ich
weiß schon, man kann über För-
derungen endlos diskutieren.
Als Energiehandel wünschen
wir uns aber nur eine einiger-
maßen objektive Energiepolitik.
Was kann NÖ in der
Klimapolitik bewirken?
Österreich und Niederöster-
reich tragen da eine sehr „klei-
ne“ Verantwortung. Bei den
weltweiten Treibhausemissio-
nen hat die EU einen weltweiten
Anteil von 10 Prozent, Öster-
reich von 0,2 Prozent und Nie-
derösterreich von 0,03 Prozent.
Über 50 Prozent entfallen nun
mal auf Russland, USA, China
und Indien. Global werden wir
mit unseren 0,03 Prozent nicht
wirklich viel verändern. Ich
will die Treibhausproblematik
ja nicht negieren, aber es wäre
falsch, durch extreme Maß-
nahmen politischer Natur den
Standort Niederösterreich für
Unternehmen und Konsumen-
ten zu einem Hochpreisland zu
machen.
…Engelbert Aigner, Obmann des NÖ Energiehandels
Interview mit…
Engelbert Aigner
Fotos: zVg
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