NÖ Wirtschaft vom 09. Mai 2014 / Folge_19 - page 4

Josef Plank, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare
Energie Österreich, über das Versagen des Emissions-
handels und die Chancen neuer Umwelttechnologien:
NÖWI: Befindet sich die En-
ergiepolitik in der Krise?
Plank:
Für mich ist die langfristi-
ge Sichtweise entscheidend. Wir
wollen bis zur Mitte dieses Jahr-
hunderts auf ein CO2-freies Ener-
giesystemumsteigen undmüssen
mit der Energie möglichst spar-
sam wirtscha en, damit es sich
für möglichst viele Menschen
ausgeht. Die Ressourcenfrage ist
eine zutiefst wirtscha s- und
gesellscha spolitische und damit
auch eine soziale Frage.
Bohrt man aber tiefer, rei-
chen die Ressourcen gleich
wieder um einiges länger?
Schon aus ökonomischer Sicht
gibt es da Grenzen. Zudem muss
man in extreme Meerestiefen
und ökologisch sensible Gebiete
gehen. Mit neuen technischen
Möglichkeiten auf ein neues En-
ergiesystemumzusteigen, ist eine
Chance, die wir als Industrie- und
Technologienationen wahrneh-
men müssen.
Aber als Folge der deutschen
Energiewende schießen nun
Kohlekra werke aus dem
Boden?
Deutschland hat zwar sehr in
Richtung erneuerbarer Energi-
en gedacht, beim Ausstieg aus
der Atomenergie aber nicht das
Zurückdrängen der Kohleenergie
im Auge gehabt. Es war ein ka-
tastrophaler Fehler, zu glauben,
dass das C02-Handelsregime au-
tomatisch schmutzige Kohle aus
demMarkt drängt. Der Bauchfleck
des Lenkungssystems hat dazu
geführt, dass derzeit sehr viel
billiger Stromaus fossiler Energie
auf dem Markt ist. Will ich mehr
Strom aus erneuerbarer Energie,
muss ich Atomund Kohle aus dem
Markt drängen.
Wind- und Solarenergie pro-
duzieren zeitweise doch auch
zu viel Strom und gefährden
damit die Versorgungssi-
cherheit?
Es gibt nun viele kleine Produ-
zenten, da kann die Infrastruktur
nicht mehr so gesteuert werden,
wie das bisher der Fall gewesen
ist. Damit bekommt die regionale
Verantwortung beim Energie-
system einen viel höheren Stel-
lenwert. Letztlich muss ich diese
Fluktuationen mit Speicherung
abfedern oder eben mit Gaskra -
werken ausgleichen, da diese im
Gegensatz zu den Kohlekra wer-
ken flexibel reagieren können.
Aber derzeit ist Gas zu teuer und
Kohle zu billig. Aus der Sicht der
Erneuerbaren ist das eine echte
Katastrophe.
Ist das Setzen auf Gaskra -
werke aufgrund der aktu-
ellen politischen Situation
nicht zu verwegen?
Ja und nein. Wir hätten so viele
Möglichkeiten, Gas einzusparen,
vor allem im Bereich Wärme.
Optimierungs- und Effizienzmaß-
nahmen sind enorm wichtig.
Erneuerbare Energien fin-
den überall Befürworter.
Wenn aber das Windrad vor
der Haustür gebaut werden
soll, gibt es einen Aufstand.
Wie gehen Sie damit um?
Wir müssen verstärkt kommuni-
zieren, dass die Umstellung des
Energiesystems auch eine Verbes-
serung der Lebensqualitätmit sich
bringt, wie das etwa bei Wohn-
raumsanierung der Fall ist. Da
sehe ich eine große Chance für die
Schaffung regionaler qualifizier-
ter Arbeitsplätze. Unternehmen
brauchen ein klares Signal von der
Politik, dass das für die nächsten
15-20 Jahre ein Thema ist. Sonst
werden sie keine Leute einstellen.
Müssen die Erneuerbaren
nicht auch mit sich selbst
kritisch ins Gericht gehen?
Wir sind ein junger Wirtscha s-
bereich, da passiert der eine oder
andere Fehler. So hat die Konti-
nuität der Technologieentwick-
lung über weite Strecken gefehlt.
Umgekehrt, wenn ich die Photo-
voltaik hernehme, hat die konzen-
trierte Forschungs-Ausrichtung
in Deutschland bewirkt, dass jetzt
schon sehr günstige Technologien
auf dem Markt sind, vor allem
für Eigenverbraucher. Das ist ein
großer Erfolg.
4 ·
Nr.
19 · 9.5. 2014
Niederösterreichische Wirtscha
Thema
Befindet sich die Energie
Sowohl auf globaler als auch auf lokaler Ebene scheint die Energiewelt aus
Erdöl
12.560/25,2%
Naturgas
13.671/27,4%
Erneuerbare Energieträger
22.615/45,4%
Brennbare
Abfälle
993/2,0%
NÖ Energieträgermix
(Gesamt: 49.839 GWh)
Josef Plank: „Müssen die Chance
wahrnehmen.“
Foto: zVg
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