Page 4 - Folge_16

Basic HTML Version

4 ·
Nr. 16 · 20.4.2012
Niederösterreichische Wirtscha
Thema
Ein erholsamer Urlaub
will gut geplant sein
Wolfgang Kallus von der
Universität Graz ist Exper-
te für Erholungsforschung.
Er weiß, warum eine Aus-
zeit o schwer fällt.
Wie wichtig ist es, sich als
Unternehmer einmal ei-
ne Auszeit zu gönnen, wenn
man sonst Dauerstress hat?
Kallus: Wer ständig unter Strom
steht, verbraucht Ressourcen, und
die müssen wieder aufgefüllt wer-
den. Ein Unternehmer hat aber die
Möglichkeit, mit dem Strom gut
umzugehen, er hat Entscheidungs-
spielräume und kann Prio-
ritäten setzen.
O fällt es im Ur-
laub schwer, ab-
zuschalten. Wie
kommt man in den
„Urlaubsmodus“?
Das Wichtigste ist, den
Umschaltprozess von
Arbeit auf Urlaub be-
wusst und intelligent zu
steuern. Das gilt auch für die
Rückkehr nach demUrlaub.
Am besten bereitet man
sich schon vor der Abreise
so gut vor, dass der Einstieg leicht
wird. Ob das Umschalten schnell
oder langsam geht, hängt von der
Persönlichkeit ab.
Wie sollte man diesen Über-
gang gestalten?
Ist der Urlaub nur kurz und die
Zeit reicht nicht aus, um wirklich
zu entspannen, ist es o besser,
aktive Erholung zu suchen. Wer
ausreichend Zeit hat, sollte den
Umschaltprozess stufenweise an-
gehen. Am besten startet man
seinen Urlaub, indem man sich
einmal richtig ausschlä .
Was passiert, wenn man
von einem Moment auf
den anderen versucht,
von 100 auf 0 runter-
zukommen?
Wenn der Körper ein-
mal das Stresssystem in
Gang gesetzt hat, werden
Immunreaktionen unter-
drückt. Ist der Stress
dannweg, wirdman leicht
krank.
Deshalb ist es wichtig,
bewusst mit Stress-
und Erholungspha-
sen umzugehen.
Sommer, Meer und Strand: 16,9 Millionen Reisen werden
von den Österreichern jährlich unternommen. Für Unter-
nehmer sind Ruhe und Entspannung besonders wichtig.
Kooperation der Redaktionen der
„Niederösterreichischen Wirtscha “ und
der „Steirischen Wirtscha “
Mit zunehmendem Stand auf
der Quecksilbersäule erhöht sich
auch dasVerlangennach derwohl-
verdienten Auszeit: Es ist wieder
Zeit, an den Urlaub zu denken.
Und das können die Österreicher
besonders gut, wie eine Erhe-
bung der Statistik Austria belegt.
Demnach unternehmen Herr und
Frau Österreicher alljährlich 16,9
Millionen Urlaubsreisen.
Bei den Kurzurlauben (7,8 Mil-
lionen) dominiert das Heimatland
Die Chefs
auf Urlaub...
E-Mails lesen am Kreuzfahrtschiff
Thomas Borenich
, Aubora Vaca-
tion, Kottingbrunn: „Unternehmer
richten sich bei ihren Urlaubs-
plänen o nach der Au ragslage.
Wenn im Betrieb gerade weniger
los ist, buchen sie kurzfristig. Ein
Urlaub ohne Handy und Computer
kommt für die meisten nicht in Frage. Gerade Chefs
aus kleinen Betrieben möchten auch im Urlaub ihre
Mails einsehen können. Deshalb fragen die meisten
beim Buchen nach Hotels mit W-LAN-Anschluss.
ImTrend liegen derzeit All Inclusive-Urlaube, z. B. in
die Türkei, Städtereisen und Kreuzfahrten.“
Unternehmer sind treue Kunden
Sabine Riedl
, Obfrau der Fach-
gruppe Reisebüros, Perchtolds-
dorf: „Unternehmer haben nie viel
Zeit zur Verfügung, das macht
sie anspruchsvoller als andere
Kunden. Dementsprechend legen
sie großen Wert darauf, dass alles
100-prozentig passt – bei der Beratung und beim Ur-
laub selbst. Wirtscha treibende können und wollen
keinen Flop riskieren. Andererseits sind sie bereit,
mehr zu investieren, wenn das Angebot entspricht.
Sie legen Wert auf hohe Dienstleistungsqualität,
dafür sind sie treueKunden, wenn sie zufrieden sind.“
Das sagen die Reise-Experten
Foto: z. V. g.
Foto: z. V. g.
„Es gilt, den Umschaltprozess
von Arbeitsstress auf Urlaub zu
planen und seine Ressourcen
bewusst zu pflegen.“
Wolfgang Kallus, Professor, Uni Graz