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16 · Service ·
Nr. 16 · 20.4.2012
Niederösterreichische Wirtscha
Stellenausschreibung,
aber richtig!
Eine Untersuchung der Gleichbehandlungsanwalt-
scha hat ergeben, dass 13,6 Prozent der Stellenanzei-
gen nicht korrekt formuliert sind und bei 19,8 Prozent
die Mindestgehaltsangaben fehlen.
Seit März 2011 muss laut Gleich-
behandlungsgesetz in Stellenaus-
schreibungen eine Entgeltangabe
enthalten sein. Nach dem Wirk-
samwerden des Sanktions- und
Strafrahmens mit 1. Jänner 2012
hat die Gleichbehandlungsan-
waltscha im Februar mehr als
4000 Stellenanzeigen untersucht.
Demnach verstießen 40 Prozent
der Inserate gegen das Gesetz,
d. h. es wurde entweder nicht
korrekt formuliert oder es fehlte
jegliche Gehaltsangabe. Knapp
sieben Prozent der untersuchten
Anzeigen wiesen beide Fehler auf.
Die Verpflichtung zu
korrekten Angaben trifft
sowohl Arbeitgeber wie
auch Personalvermittler.
Ausnahmen sind nicht
vorgesehen.
Die Sanktionen beziehen sich
nur auf das Vorhandensein der
gesetzlichen Mindestangabe bei
Inserat oder Ausschreibung. Be-
stra wird die Nichtangabe sowie
die Falschangabe. Wobei letztere
im Einzelfall schwer zu erkennen
und in der Praxis daher kaum
sanktionierbar sein wird.
Um einer Verwarnung und
einer anschließenden Verwal-
tungsstrafe von bis zu 360 Euro
zu entgehen, seien hier die wich-
tigsten Punkte aufgelistet, die es
bei einer Stellenausschreibung zu
beachten gilt.
Wie schaut das
ideale Inserat aus?
In der Kürze liegt die Würze,
nicht nur wegen der Inserti-
onskosten: „Wir suchen Metall-
facharbeiterIn zu Euro 1792,38
monatlich.”
Dieses Beispiel aus der Metall-
industrie ist korrekt formuliert
– schließt niemanden aus – und
enthält die entsprechende Ge-
haltsangabe (entspricht einem
Kollektivvertragsmindestbezug
der Beschä igungsgruppe D).
Wenn seitens des suchenden Be-
triebes die Bereitscha zur Über-
zahlung besteht, muss im Inserat
darauf verwiesen werden, etwa
durch die Formulierung „eine
Überzahlung ist möglich”.
Wird ein Lehrling per Inserat
gesucht, ist die Lehrlingsentschä-
digung anzugeben.
Die Angabe des Kollektiv-
vertragstitels, einer Abkürzung
oder eines Logos ist ein Plus. Es
genügt der Lohn der Gruppe mit
Erkennbarkeit der Zeiteinheit von
Stunde, Woche oder Monat. Kei-
ne anteiligen Sonderzahlungen.
Ausnahme: Soll auf Wunsch des
Inserenten ein „Jahresbezug” an-
gegeben werden, ist eine Division
durch 14 zugrunde zu legen.
Ist die Angabe einer
konkreten Überzah-
lungshöhe erlaubt?
Im Sinne des allgemeinen
Günstigkeitsprinzips sind diese
Angaben erlaubt. Sie sind jeden-
falls ein Plus, da das Gesetz nur
die eventuelle Bereitscha zur
Überzahlung verlangt. Formu-
lierungen dieser Art sollten auf
jeden Fall nicht so gestaltet sein,
dass sie einer Auslobung imSinne
des ABGB entsprechen (etwa: „Wir
bieten jedenfalls ...“).
Verhandlungsbandbreiten kön-
nen angegeben werden, solange
der niedrigere Betrag jedenfalls
das
Kollektivvertragsmindest-
grundentgelt ist.
Vom Kennenlernen
bis zur Werbung
Bei Firmeneingängen finden
sich o Schilder mit demVermerk
„Wir stellen ein”. Das sind nur
allgemeine Hinweise und keine
Stellenausschreibungen oder In-
serate. Im Personalbüro müssen
aber dann die Unterlagen für
eine komplette Auskun bereit
liegen. Ähnlich verhält es sich
bei der allgemeinen Werbung für
das Unternehmen: „Unser Betrieb
interessiert Sie? Dann bewerben
Sie sich doch!”
Ebenfalls als Werbung gelten
Einladungen zum „Kennenler-
nen”. Stehen dahinter aber kon-
kret erkennbare Arbeitsplätze,
muss auch in diesemFall dasMin-
destentgelt angeführt werden.
Vorgangsweise bei
vom KV ausgenomme-
nen Personen
Bei diesem Personenkreis (freie
Dienstnehmer, Geschä sführer
und Vorstände) ist keine Entgelt-
angabe notwendig. Wenn für das
Unternehmen keine lohngestal-
tenden Vorschri en (Gesetz, Kol-
lektivvertrag, Mindestlohntarif,
Satzungserklärung oder echte
Betriebsvereinbarung, die auf
kollektivvertraglicher Ermächti-
gung beruht) gelten oder der
betreffende Stellenbewerber vom
persönlichen
Geltungsbereich
des Kollektivvertrages ausge-
nommen ist, dann besteht keine
Pflicht zur Lohnangabe im Stel-
leninserat.
Was ist bei Chiffre-
Inseraten zu beachten?
Die Pflicht zur Angabe des
Mindestentgelts besteht auch bei
Chiffre-Inseraten. Es stellt sich
aber das Problem der Verfolg-
barkeit bei gesetzwidrigen Aus-
schreibungen. Hier wird wahr-
scheinlich erst durch Judikatur
eine Lösung gefunden werden
können.
...erhalten Sie in Ihrer WKNÖ-
Bezirksstelle. Die Kontaktdaten
finden Sie unter wko.at/noe/
Bezirksstellen.
„
Mehr Infos...
Die folgenden Beispiele setzen voraus, dass der
Mindestbetrag beim oder über dem kollektivver-
traglichen Mindestentgelt liegt:
f
Verhandlungsbasis: Euro 1500 brutto Monats-
entgelt mit Bereitscha zur Überzahlung.
f
Wir bieten Ihnen für die Position ein marktkon-
formes Bruttomonatsentgelt von 2500 bis 3000
Euro je nach konkreter Qualifikation.
f
Entgelt: XX Euro/Stunde, Überzahlung möglich.
Foto: Bildagentur Waldhäusl
„
So formulieren Sie korrekt