Salzburger Wirtschaft vom 03.April 2020 / Folge_7

· Unternehmen · 13 Nr. 7 · 3. 4. 2020 Salzburger Wirtschaft Taxi wird zum Einkaufswagen Das Taxiunternehmen Golden Drive OG ist eines von vielen Unternehmen, die von der Corona- Krise betroffen sind. „Wir trans- portieren derzeit nur wenige Fahrgäste und haben eine Art Not- betrieb“, berichtet Gesellschafter Leonhard Berchtold. Er hat trotz der schwierigen Lage nicht resi- gniert, sondern aus der Not eine Tugend gemacht. „Wir haben auf einen Zustelldienst umgestellt. Unter anderem wurden eine Web- site erstellt und das Kassensystem umprogrammiert, damit wir für die Kunden bis zu einem bestimm- ten Betrag Geld auslegen können.“ Die ersten Aufträge wurden bereits abgewickelt. Jetzt gehe es darum, den Zustellservice bekannter zu machen, sagt Berch- told. „Betriebe, die ihre Ware zum Kunden bringen wollen, können sich ebenso an uns wenden wie Menschen, die in einem Geschäft etwas bestellen möchten.“ Golden Drive liefert Medikamente sowie Lebensmittel, Hygieneartikel und andere Waren nach Hause. „Wir übernehmen Besorgungen aller Art. Wenn sich jemand zum Bei- spiel um den Garten kümmern möchte, fahren wir zum Gärtner und holen die Ware ab.“ Der Lieferservice richtet sich speziell an ältere Menschen und andere Risikogruppen, die das Haus nicht verlassen sollten. „Unser oberstes Ziel ist es, beim Transport und bei der Zustellung die Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus so weit wie möglich zu minimieren. Darum haben wir unsere Fahrer speziell geschult und die Fahrzeuge mit Desinfek- tionsmitteln ausgestattet“, betont Berchtold. www.goldendrive.at Plattform für den Pinzgau Auf Initiative von Bezirkshauptmann Bernhard Gratz, der WKS-Bezirksstelle Pinzgau und der Bür- germeister des Bezirks wurde die Internet-Plattform www.gemeinsam-pinzgau.at in s Leben gerufen. Sie vernetzt regionale Anbieter mit potenziellen Kunden. „Ziel ist es, dass Menschen, die eine Ware oder Dienstleistung von behördlich gesperrten Unternehmen benötigen, diese bei einem Geschäft, das mit einem Lieferservice arbeitet, bestellen kön- nen“, erklärt Gratz. „So wollen wir einerseits die Versorgung im Pinzgau aufrechterhalten. Anderer- seits wird es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglicht, trotz Betriebssperrungen weiter Leis- tungen zu erbringen und Erträge zu erwirtschaften.“ Schaufenster für regionale Anbieter Roland Bamberger hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Entwicklung von Hotel- portalen beschäftigt. Jetzt hat der Unternehmer aus Obertrum innerhalb kürzester Zeit eine österreichweite Internetplatt- form für den regionalen Einkauf aus dem Boden gestampft. „Unter www.kauftregional.at können sich alle Unternehmen kostenlos eintragen, die regionale Produkte im Internet anbieten bzw. Liefer- oder Abholdienste eingerichtet haben“, erklärt Bam- berger. Er wolle die Kunden dazu motivieren, Einkäufe bei regiona- len Geschäften und kleinen Hand- werksbetrieben zu tätigen. Bis Anfang dieser Woche waren rund 1.500 regionale Anbieter aus ganz Österreich auf www. kauftregional.at v ertreten, dar- unter mehr als 300 aus Salzburg. Das Portal richtet sich nicht nur an Restaurantbetriebe, Lebens- mittelgeschäfte und wenig bekannte Online-Shops. „Wir sind auch auf der Suche nach Klein- und Kleinstunternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen, die in der derzeitigen Ausnahme- situation ihre Waren nicht mehr im Geschäft verkaufen dürfen und nun auf die Zustellung oder Abholung ihrer Produkte set- zen“, sagt Bamberger. Die Initia- tive soll nach der Corona-Krise weitergehen, denn: „Der regio- nale Einkauf wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Er ist über- lebensnotwendig für die vielen kleinen Betriebe in Österreich.“ Hallein wirbt für den Einkauf vor Ort Der Tourismusverband Hallein/Bad Dürrnberg (TVB) und der Verein „Gemeinsam für Hallein“ haben unter dem Motto „Miteinander.Für- einander“ eine Initiative zur Unterstützung der heimischen Betriebe gestartet. Mehr als 40 Unternehmen aus der Salinenstadt sind bereits Teil der Initiative, die das Wir-Gefühl stärken soll. Sie decken eine Vielzahl an Branchen ab – vom Mode- über den Elektro- bis zum Lebensmittelhandel. Die Leistungen reichen von tele- fonischer Beratung und telefonischem Verkauf bis hin zum Lieferser- vice. Auch einige Betriebe mit eigenen Online-Shops sind vertreten. „Wir wollen mit unserer Kampagne dazu aufrufen, in der Region ein- zukaufen – besonders in herausfordernden Zeiten wie diesen“, erklärt TVB-Geschäftsführer Rainer Candido. Er freue sich, dass die Halleiner Betriebe gemeinsam an die Öffentlichkeit gehen. „Das ist ein wichtiges Zeichen in dieser für alle schwierigen Phase.“ www.hallein.com Eine Region hält zusammen Die Plusregion Köstendorf Neumarkt Straßwalchen wurde 2007 mit dem Ziel gegründet, die Kaufkraft in der Region zu halten und die Zusammenarbeit der Unter- nehmer zu fördern. „In der aktuellen Krise ist es wichtig, dass die Region noch stär- ker zusammenhält und die regionale Wirt- schaft unterstützt wird“, betont Geschäfts- führerin Julia Mauberger. Sie verweist auf die Facebook-Gruppe #gemeinsamgegen coronaplusregion . Damit biete man allen Bewohnern, die Hilfe suchen oder anbie- ten möchten, eine Plattform. Unterneh- men mit Lieferservice oder Notdienst kön- nen ihr Angebot dort posten. „Die Gruppe hatte nach nur einer Woche mehr als 800 Mitglieder, der Zusammenhalt ist einfach unbeschreiblich“, freut sich Mauberger. Die Plusregion verschickt außerdem einen Folder mit Informationen über Lie- ferdienste, Abholmöglichkeiten und Nach- barschaftshilfe. www.plusregion.at Der Obertrumer Roland Bam­ berger ist Initiator des Portals www. kauftregional.at, da s die heimische Wirtschaft stärken soll. Das Team der Plusregion (v. l.: Denise Hinteregger, Julia Mauberger, Elisabeth Thaler und Sabrina Huber) steht den Betrieben weiterhin zur Seite. Foto: www.kauftregional.at #corona: Regionale Plattformen und Initiativen gegen die Krise Foto: Plusregion Bei der Über- gabe der Waren werden alle Vorsichts- maßnahmen eingehalten. Foto: Berchtold

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