Salzburger Wirtschaft vom 07.Februar 2020 / Folge_3

· Handel · 19 Nr. 3 · 7. 2. 2020 Salzburger Wirtschaft Spannende Einblicke in die Zukunft des Handels Beim Salzburger Handels- tag befassten sich zwei hochkarätige Referenten mit den Heraus- forderungen, die auf die Branche zukommen. Sven Gábor Jánszky ging in sei- ner Keynote auf den technolo- gischen Wandel ein, der auch in den kommenden Jahren rasant vorangehen wird. Als Beispiele nannte der Zukunftsforscher die bevorstehende Einführung von Quantencomputern und die sogenannte Predictive Analytics Software, die es ermöglicht, das Kundenverhalten vorherzusagen. „Für die Frage, was Menschen kaufen, sind heute nicht mehr statistische Daten relevant, son- dern Echtzeitdaten. In Zukunft werden es Prognosedaten sein. Dann wird die Lieferung vor der Bestellung erfolgen, weil der Händler vorhersagen kann, was gekauft wird.“ Logische Folge des technolo- gischen Fortschritts seien adap- tive Produkte, die sich laufend an die Lebenssituation und die Bedürfnisse der Kunden anpas- sen. „Am Ende steht immer etwas Nützliches und Positives für den Kunden. Das ist auch der Grund, warum dieser Prozess nicht gestoppt werden kann“, sagte Jánszky. Digitalisierung werde oft fälschlicherweise mit Vernet- zung gleichgesetzt. Sie habe auch nichts mit Apps oder Tablets zu tun. „Die Macht der Digitalisie- rung folgt einem schlichten Drei- satz. Erstens: Alles, was gemes- sen werden kann, wird gemessen werden. Zweitens: Alles, was gemessen wird, kann prognosti- ziert werden und drittens: Alles, was prognostiziert werden kann, kann verbessert werden.“ Smartphones mit intelligenten Assistenten Die sogenannte Bot-Economy werde der treibende Faktor für die nächsten zehn Jahre sein, prophezeit Jánszky. „Es wird intelligente Bots geben, die mit- einander kommunizieren. Das bedeutet, das sich auf den Smart- phones der Kunden neben vielen anderen intelligenten Assisten- ten auch einer für das Einkaufen befindet, die mit der künstlichen Intelligenz des Händlers inter- agiert.“ Die klassische Marktpyramide mit klar definierten Kundenseg- menten verliert nach Ansicht Ján- szkys immer mehr an Bedeutung. „Es läuft auf einen Massenbereich hinaus, bei dem das Preis-Leis- tungs-Verhältnis im Vordergrund steht und wo der Online-Handel stark vertreten sein wird.“ Geschäfte werden zu Identitätsorten Im Premium-Segment spiele das Identitätsmanagement eine immer größere Rolle. „Identität drückt sich durch Produkte, Mar- ken und andere Menschen aus. Geschäfte oder Innenstädte kön- nen zu Identitätsorten werden, in denen sich Menschen treffen, die die gleiche Wellenlänge haben.“ Am Ende des Vortrages machte Janszky den rund 300 Händlern im PublikumMut: „Der stationäre Handel hat eine große Zukunft. Sie müssen nur begreifen, dass es das Standard-Kundensegment bald nicht mehr gibt. Wenn Sie sich zum Identitätsmanager wei- terentwickeln, werden Sie mehr Geschäft machen als heute.“ Wolfgang Richter befasste sich in seinem Vortrag mit der weite- ren Entwicklung der Verkaufsflä- che im heimischen Einzelhandel. „Ist die Handelsfläche noch zu retten?“, fragte der Inhaber der Wiener RegioPlan Consulting GmbH – und gab auch gleich die Antwort: „Ja, sie ist zu retten. Es gibt aber drei große Aber: Erstens betrifft das nicht die gesamte Verkaufsfläche, zweitens werden die Flächen in den meisten Bran- chen künftig anders aussehen als heute und drittens gibt es eine Menge zu tun.“ Die Rahmenbedingungen für den stationären Einzelhandel seien alles andere als einfach. „Die Kaufkraft steigt zwar, das Geld wird aber zu einem immer geringeren Teil in den Geschäften ausgegeben.“ Dazu komme die Konkurrenz durch den Online- Handel, der in manchen Bran- chen schon einen Anteil von über 40% habe. Das wirke sich auf die Größe der Standorte aus. „Viele Bau- und Elektromärkte, Möbel- häuser und Modegeschäfte wol- len kleiner werden, weil es ren- tabler ist.“ Verkaufsfläche nimmt ab Derzeit geht die Verkaufsfläche jährlich um 1,5 bis 2% zurück. Richter erwartet mittelfristig einen Anstieg auf 3%. „Sehr große Shopping Malls und kleine Fach- marktzentren, die eine Art Nah- versorgerfunktion haben, sind von dieser Entwicklung weniger stark betroffen.“ Gute Karten hät- ten auch Einkaufszonen in den Innenstädten. „Hier gibt es ganz andere Möglichkeiten, Frequenz zu schaffen.“ Richter empfiehlt den stationä- ren Händlern, auf Emotionen zu setzen. „Im Geschäft kann man Waren vergleichen und auspro- bieren, wird beraten und trifft Menschen. Das ist weit mehr als nur das Herzeigen von Produk- ten.“ International seien Kombi- nationen von Shops, Gastrono- mie und Events im Kommen. Der Handel könne auch eine wichtige Funktion als Problemlöser wahr- nehmen. „Da geht es etwa um das Einstellen oder Reparieren von Geräten. Das ist eine Chance für Gartencenter, Elektrohändler oder Baumärkte, Kunden an sich zu binden“, erklärte der Handels- experte. Sven Gábor Jánszky hielt die Keynote beim Salzburger Handels- tag. Er leitet das größte unabhängige Zukunftsinstitut Europas. Fotos: Camera Suspicta/Susi Berger Setzte sich mit der zukünftigen Entwicklung der Verkaufsfläche auseinander: Wolfgang Richter von der Wiener RegioPlan Consulting GmbH.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODE5Ng==