Salzburger Wirtschaft vom 16. August 2019 / Folge 16

· 33 Nr. 16 · 16. 8. 2019 Salzburger Wirtschaft Vollanrechnung von Karenzzeiten in Kraft getreten Für Geburten ab 1. August 2019 sind nunmehr alle gesetzlichen Eltern­ karenzen auf Ansprüche, die sich nach der Dauer der Dienstzeit richten, anzurechnen. Bisher war nach dem Mutter- schutzgesetz und dem Väterka- renzgesetz lediglich bei der ers- ten Karenz im Dienstverhältnis eine Anrechnung der Zeiten bis zu einem Höchstmaß von zehn Monaten vorgesehen. Davon waren die Kündigungsfrist, die Dauer der Entgeltfortzahlung bei Erkrankungen und der höhere Urlaubsanspruch umfasst. Einige Br anchenko l l e k t i vve r t r äge sahen allerdings bereits bisher eine zusätzliche Anrechnung von Karenzzeiten vor, etwa bei Gehaltsvorrückungen. Der an die Sozialpartner im vergangenen Jahr ergangene Auftrag zur Anrechnung auf kol- lektivvertraglicher Ebene wurde nahezu vollständig umgesetzt. Vollanrechnung gilt für jedes Kind Anfang Juli 2019 wurde nun- mehr im Nationalrat beschlossen, dass alle Elternkarenzzeiten im gesetzlichen Ausmaß, infolgedes- sen maximal bis zum Ablauf des zweiten Lebensjahres des Kin- des, auf Ansprüche anzurechnen sind, die sich nach der Dauer der Dienstzeit richten. Die ursprüng- lich im Antrag vorgesehene rückwirkende Anrechnung von Karenzzeiten konnte abgewendet werden. Sie hätte eine massive zusätzliche Belastung für Arbeit- geber dargestellt. Die nunmehrige Anrechnung erstreckt sich auf die Karenz der Mutter bzw. des Vaters gleicher- maßen und gilt für jedes Kind. Sie sieht eine Anrechnung der Karenzzeiten im Ausmaß der tat- sächlichen Inanspruchnahme von bis zu 22 Monaten pro Kind vor. Neben kollektivvertraglichen Gehaltsvorrückungen sind auch die Dauer der Entgeltfortzah- lung bei Krankheit, die Dauer der Kündigungsfrist, das nach einer 25-jährigen Dauer des Dienst- verhältnisses bestehende höhere Urlaubsausmaß sowie allfällige kollektivvertraglich festgelegte Jubiläumsgelder erfasst. Sowohl Mütter als auch Väter haben Anspruch auf die Anrech- nung ihrer Karenzzeiten. Foto: WKÖ Sozial- und Arbeitsrecht der Wirtschaftskammer Salzburg, Tel. 0662/8888, Dr. Lorenz Huber M.B.L., Dw. 323, Mag. Fabian Ennsmann, Dw. 315, Mag. Christina Marx, Dw. 393, Dr. Ursula Michl-Schwertl, Dw. 392, Mag. Raphael Spitzer, Dw. 364 Weitere Infos Variantenvielfalt deutlich erhöht wird. Der neue Lehrberuf des Fahr- radmechatronikers wurde auf die aktuellen Entwicklungen in der Branche abgestimmt. Lag der Anteil der verkauften E-Bikes am Gesamtmarkt im Jahr 2008 noch bei 1%, so ist dieser zuletzt auf 30% angestiegen. Diese Entwick- lung bedingt eine deutliche Ver- breiterung der für Verkauf und Service erforderlichen Kompe- tenzen und die Betriebe brauchen mehr qualifizierte Fachkräfte mit branchenspezifischen Kenntnis- sen und Fertigkeiten. Wichtige Aufwertung „Wir sind sehr froh über den neuen Lehrberuf des Fahrradme- chatronikers. Einerseits wurde er durch den boomenden E-Bike- Markt dringend notwendig und andererseits geht damit eine weitere Aufwertung des Fahrrad- und Sportbereichs ganz allge- mein einher. Wir sind uns sicher, dass wir mit dem neuen Lehrbe- ruf das Interesse vieler Jugend- licher an einer Lehre wecken können“, betont Thomas Gassner, Geschäftsführer von iko in Hall- wang. Ein weiterer neuer Lehrberuf, der sich aus der dynamischen technischen Entwicklung erge- ben hat, ist der Bauwerksabdich- tungstechniker. „Gerade bei der Abdichtung von Dächern braucht es heute viel Spezialwissen. Des- halb ist der neue Lehrberuf des Abdichtungstechnikers für uns eine enorme Bereicherung“, erläutert Wolfgang Ebner von der Spenglerei Ebner in Hof. Moderne Ausbildung ist Standortvorteil Durch die neuen Lehrberufe und durch die Modernisierung traditioneller Berufe haben die Jugendlichen darüber hinaus noch mehr Auswahl bei der Berufswahl. „Das Lehrberufs- paket ist nicht zuletzt ein wich- tiger Beitrag, um die duale Aus- bildung weiter zu attraktivieren, denn eine moderne duale Ausbil- dung ist ein Standortvorteil für die Betriebe im internationalen Wettbewerb“, resümiert Hemets- berger. Vier neue Lehrberufe: ff Fahrradmechatronik ff Nah- und Distributionslogistik ff Sportgerätefachkraft ff Bauwerksabdichtungstechnik Bei vier Lehrberufen wurde neben einer dreijährigen Ausbildungsdauer auch eine vertiefte dreieinhalb- bzw. vierjährige Aus- bildungsdauer mit zusätzlichen Inhalten geschaffen: ff Bäckerei (3 Jahre) ff Backtechnologie (3,5 Jahre) ff Betonbau (3 Jahre) ff Betonbauspezialist (4 Jahre) ff Hochbau (3 Jahre) ff Hochbauspezialist (4 Jahre) ff Tiefbau (3 Jahre) ff Tiefbauspezialist (4 Jahre) Drei Lehrberufe wurden novelliert und dem Stand der Technik angepasst: ff Spengler ff Dachdecker ff Mechatroniker (mit neuen Kombinationsmöglichkeiten) Faktenbox zum verordneten Lehrberufspaket

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