NÖ Wirtschaft vom 18. Dezember 2015 / Folge 51/52 - page 9

· Niederösterreich · 9
Nr. 51/52 · 18.12.2015
Niederösterreichische Wirtscha
Klein, aber o.h.o!
Edeltraud Feiler aus Wiener Neustadt entwickelte
gemeinsam mit ihrem Sohn Nino den Clip „o.h.o – one
hand only“. Personen mit eingeschränkter Handfunkti-
on können so selbstständig Reißverschlüsse schließen.
Jetzt ist sie auf der Suche nach Produktions- und Ver-
triebspartnern – die NÖWI hil bei der Suche!
Wikipedia schreibt: „Der Reißver-
schluss ist ein beliebig o zu lö-
sendes Verschlussmittel, das auf
Formschluss beruht. Er besteht
aus zwei Seitenteilen mit Kram-
pen (kleinen Zähnen) und ei-
nemSchieber (schweizer-
deutsch: Schlitten), mit
dem die Krampen
ineinander ver-
hakt und wieder
gelöst werden
können.“
Also al-
les
ganz
einfach,
oder? Nicht
so für Nino
Feiler, der
seit seinem
fün en Le-
bensjahr
aufgrund
eines
Schlagan-
falls halb-
seitig
gelähmt
ist. Zum
einfachen und schnellen Schlie-
ßen eines Zipp sind eben zwei
Hände notwendig. Nino wollte
aber nicht permanent um Hilfe
bitten, gleichzeitig aber auch
nicht auf Kleidung mit Zippver-
schlüssen verzichten. Das rief
seine Mutter Edeltraud Feiler vor
fünf Jahren auf den Plan.
Kein passendes System
für Zipp‘s verfügbar
„Für Knöpfe gab und gibt es
bereits eine Schlupfhilfe, die
einhändig zu bedienen ist. Also
dachte ich mir, es muss doch
ein ähnliches Gerät für Reißver-
schlüsse geben”, erinnert sie sich.
Doch kein Fachgeschä konnte
ihr weiterhelfen, sie wurde nir-
gends fündig.
Aufgeben war für Edel-
traud Feiler aber keine
Option, sie begann
zu tü eln, wel-
ches System am
besten passen
könnte: „Mein
erster Ge-
danke war,
es mit Ma-
gneten zu
versuchen,
doch wer
baut
schon in
jeden
ein-
zel-
nen
Zippver-
schluss einen Magneten ein.
Dann kam ich auf die Idee, es mit
einem Band und Hosenträger-
clips zu versuchen – und siehe da:
plötzlich machte es tatsächlich
,oho – das funktioniert ja’”, blickt
Feiler auf die Entwicklungsphase
zurück. Dass damit auch gleich
der Name der Erfindung „o.h.o –
one hand only” geboren wurde,
war ein glücklicher Zufall.
Dieses damals entwickelte Sys-
tem, bei dem das Band mit dem
Hosenträgerclip zunächst auf der
Seite des Krampen und im An-
schluss am gegenüberliegenden
Hosenbein fixiert wird, um eine
Spannung zu erzeugen, ist im
Prinzip gleich geblieben (siehe
Kasten!). An der Auswahl der
Materialien wurde aber dann na-
türlich noch massiv getü elt und
wurden permanent verbessert.
Markt: Reha-Kliniken,
Ortho-Fachgeschä e, ...
Mittlerweile war Edeltraud Fei-
ler mit „o.h.o.” am Patentamt und
das System wurde daraufhin als
so genanntes Gebrauchsmuster
geschützt.
Denn das Potenzial des an und
für sich einfachen, aber sehr
nützlichen Systems schätzt Feiler
groß ein: „Rehabilitationskliniken
oder Orthopädie-Fachgeschä e
könnten dafür Abnehmer finden,
genauso wie zahlreiche Gesund-
heitseinrichtungen. ,o.h.o’ ist aber
nicht nur für Menschen mit Be-
hinderungen interessant. Denken
wir nur daran, was passiert, wenn
man plötzlich einen Gips über den
Ellbogen bekommt!”
Doch allein und neben dem Be-
ruf – Feiler betreut 30 Kinder in
der Neuen Mittelschule Oberwal-
tersdorf im Hort – sei es schwer,
noch zusätzlich auf Kundensuche
zu gehen. Ähnliches gilt für die
Suche nach geeigneten Produzen-
ten für die Teile des „o.h.o.” Gerne
würde sie inNiederösterreich pro-
duzieren lassen, sowohl die Clips,
als auch die Bänder.
Dabei geht es Edeltraud Feiler
aber nicht um „das große Ge-
schä ”: „Ich wäre schon zufrieden,
wenn ich vielen in einer ähnlichen
Situation wie Nino weiterhelfen
kann und sich dabei vielleicht
noch ein finanzieller Polster für
ihn ergibt.”
f
Der erste Clip wird beim Kram-
pen (gegenüber des Schlitten)
des Reisverschlusses fixiert.
f
Dann wird am gegenüberlie-
genden Hosenbein eine Falte
gezogen.
f
Der zweite Clip wird mit dieser
Falte fixiert.
f
Daraus wird jener Teil der Jak-
ke, wo sich der Krampen befin-
det, gespannt.
f
Der Schlitten, der sich nun am
beweglichen Teil der Jacke be-
findet, kann nun in den Kram-
pent „einfahren“!
f
Der Zippverschluss der Jacke
kann nun mit einer Hand ge-
schlossen werden!
f
Potenzielle Vertriebs- und
Produktionspartner sowie
Interessierte
wenden sich am besten direkt
via E-Mail an Edeltraud Feiler:
„
wie funktioniert „o.h.o.”:
Edeltraud Feiler mit Sohn Nino und dem „o.h.o.“, der Zippverschlüsse
mit einer Hand verschließen lässt.
Fotos: WKNÖ/Lohfink
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