Person mit gelben Schutzhelm, Sonnenbrille und karierter Jacke steht in einem Dachausbau aus Holz
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Wohnbaupaket mit Tiroler Schönheitsfehler

Über das Wohnbaupaket der Bundesregierung sollen rund 81 Millionen für Bauen und Sanieren nach Tirol fließen. Allerdings müssen in Tirol die Bedingungen angepasst werden, damit die Mittel auch tatsächlich abgerufen werden können.

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Aktualisiert am 03.04.2024

In den vergangenen Jahren war die heimische Baubranche stets eine zugkräftige Konjunkturlokomotive. Derzeit wird sie allerdings von schwierigen Rahmenbedingungen zunehmend eingebremst. Besonders deutlich zeigt sich das im Wohnbau. Laut der aktuellen „Tiroler Bauvorschau“ – einer Erhebung unter Tiroler Betrieben der Bauindustrie und des Baugewerbes sowie unter Auftraggebern – geht das Volumen der bauwirksamen Leistungen in diesem Bereich heuer um rund 19 % gegenüber dem Vorjahr zurück.

Vor diesem Hintergrund bringt das jüngst vom Nationalrat beschlossene Wohnbaupaket im Ausmaß von rund 2,2 Milliarden Euro einen wichtigen Impuls zur Belebung der Bauwirtschaft und zur Schaffung von leistbarem Wohnraum. Es beinhaltet einen Wohnbauzuschuss für die Länder, Anreize für klimafreundliche Sanierungen, Gebührenbefreiungen, erhöhte steuerliche Abschreibungen und eine Neuauflage des Handwerkerbonus. Und: Rund 81 Millionen Euro sollen fürs Bauen und Sanieren in Form von Wohnbaukrediten mit einem maximalen Zinssatz von 1,5 % nach Tirol fließen. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich dabei ein Schönheitsfehler, wie WK-Präsidentin Barbara Thaler feststellt: „Die Zinszuschüsse fließen nur dann, wenn die Kriterien der Wohnbauförderung erfüllt werden. Die Voraussetzung dafür ist die Einhaltung der in Tirol niedrig angesetzten ‚angemessenen Baukosten‘.“ 

Aktuelle Baukosten

Diese werden in der Praxis fast ausschließlich von gemeinnützigen Wohnbauträgern erreicht. Private Häuslbauer und private Wohnbauträger liegen aufgrund der aktuellen Baukos­ten meist über dieser Grenze. Hinzu kommt, dass im Falle von Eigentumswohnungen auch die Einkommensgrenzen in Tirol relativ niedrig angesetzt sind. „Durch diese Einschränkungen bei den Baukosten und den Einkommensgrenzen ist zu befürchten, dass ein Großteil dieser Bundesmittel gar nicht in Anspruch genommen werden kann“, erklärt Thaler.

Durch die Einschränkung auf den geförderten Wohnbau und die kurze Zeitspanne ist zu befürchten, dass ein Großteil der Mittel gar nicht in Anspruch genommen werden kann.


Dass es auch anders geht, zeigt der Blick nach Vorarlberg. Die dortige Landesregierung hat im Herbst letzten Jahres einerseits die „angemessenen Baukosten“ am durchschnittlichen Marktpreis (bei rund 7.500 Euro pro Quadratmeter Neubau) orientiert, andererseits liegen die Einkommensgrenzen etwa um ein Viertel höher als in Tirol. Deshalb appelliert Präsidentin Thaler an die Landespolitik: „Damit die Zinszuschüsse für möglichst viele Tiroler Häuslbauer und Wohnungswerber zugänglich werden, muss das Land seine Wertgrenzen bei den Baukosten und beim Einkommen der Realität anpassen. Die Wohnbauförderung muss flexibler werden.“

Berechnungen der Wirtschaftskammer Tirol zeigen, dass es bei optimaler Umsetzung des Paketes einen Wertschöpfungs­impuls für Tirol im Ausmaß von knapp 69 Millionen Euro geben würde. Davon würde fast die Hälfte direkt im derzeit rückläufigen Bereich Hochbau wirksam werden. „Diese Potenziale gilt es mit entsprechenden Anpassungen voll auszuschöpfen, damit die Bauwirtschaft neuen Schwung bekommt und die Wohnraumschaffung für die Tirolerinnen und Tiroler wieder leistbarer wird“, unterstreicht Thaler.