OÖ Wirtschaft vom 27. März 2020 /Folge_8_9_Beilage

2 Nr. 8/9 – 27. März 2020 OÖ Wir tschaft Innovation – Nachhaltigkeit – Ideen mit Zukunft Handwerksbetrieb setzt auf Robotik Seit über 300 Jahren produziert und entwickelt der Meisterbe­ trieb Niedersüss Reitzubehör und Sättel in Rohrbach. Um zukunftsfit zu bleiben, verbindet das Unternehmen traditionelles Handwerk mit modernen Tech­ nologien. Die Herausforderung bei einem Sattel ist die indivi­ duelle Anpassung an Reiter und Pferd. Herzstück dabei der Sat­ telbaum, der eine gleichmäßige Druckverteilung auf Pferdemus­ kulatur und ein perfekter Sitz er­ möglicht. Für diese individuelle Anpassung sind viele Arbeits­ schritten notwendig. Gemeinsammit TIMwurde mit dem Labor für Kreative Robotik der Kunstuniversität Linz das Einsatzpotenzial von Industrie­ robotern für die Serienferti­ gung untersucht. Mit den Robo­ tern wird ein Mehrwert erzielt, nämlich höhere Genauigkeit und weniger Arbeitsbelastung für Mitarbeiter. Ziel: nicht voll­ automatisierte Produktion, son­ dern kluge Kombination von Handwerk und Technologie. Die hochwertigen Produkte werden von 20 Mitarbeitern in Handarbeit angefertigt. 80 Pro­ zent der Sättel werden expor­ tiert, z.B. nach Japan, aber auch im Inland an anspruchsvolle Nutzer wie die Wiener Hofreit­ schule verkauft. Seit 1999 begleitet und unter- stützt TIM – Technologie- und Innovations-Management, die gemeinsame Initiative von Wirt- schaftskammer OÖ und Land OÖ, KMU bei Technologieprojekten. Vom Start-up über den traditi­ onellen Handwerksbetrieb bis zum etablierten Mittelständler werden die Innovatoren von der Projektidee bis zur Ent­ wicklung der neuen Lösung im Zusammenwirken mit ausgewählten Forschungsein­ richtungen unterstützt. Diese Begleitung ermöglicht TIM ei­ nen statistischen Blick auf die Technologietrends über einen längeren Zeitraum. Also einen Blick darauf, wo Unternehmen innovatorische Schwerpunkte setzen und welche Technolo­ gien innerhalb betrieblicher Entwicklungsvorhaben an Bedeutung gewonnen oder verloren haben. Roboter fräst Sattelbaum. © Braumann, Kunstuni Linz TIMbegle innovati Hightech (im Bild Plasma- technik) und Digitalisie- rung und ihre wirtschaftsnahe Anwendung sind auf dem Vormarsch. © Wakolbinger MÜKE spart in Wolfern Neue Wege geht die Marktgemeinde Wolfern im Bereich der Müllabfuhr. Künftig werden die Entleerungen durch ein digitales Müllerkennungssystem – MÜKE – erfasst und verrechnet. Die Wolferner Bürger haben nun selbst in der Hand, die Kosten durch Trennen und vor allem durch Müllvermeiden beim Einkauf auf ein Minimum zu senken. Gemeinsam mit der Firma ESA als Entwickler von MÜKE und der Firma Waizinger als Entsorger wurde eine praktikable Lösung gefunden. Alle Tonnen in der Gemeinde wurden mit RFID-Karten ge- kennzeichnet und das Fahrzeug des Entsorgers mit einem Lesegerät für diese Karten ausgestattet. Damit wird jede Entleerung aufgezeichnet und mittels einer Schnittstelle werden die Daten in das Verrechnungsprogramm der Gemeinde integriert. In Zukunft ist auch eine Optimierung der Routen und Abfuhrintervalle möglich. MÜKE ist einer von vielen Bausteinen in Richtung Umwelt- und damit auch Klimaschutz und ist in jeder Gemeinde einsetzbar.

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